IGA-Tagung

"Genossenschaft neu kommunizieren"

  • Erzielt der genossenschaftliche Förderauftrag noch Wertschöpfung? Diese Frage stand im Mittelpunkt der IGA-Tagung am 6. November in Innsbruck. Am Ende gab es ein klares Ja als Antwort. Es brauche aber eine neue Sprache, um das Erfolgsmodell Genossenschaft besser zu kommunizieren.

    Beschränkt man sich auf direkte Förderung der Mitglieder, oder betreibt man auch indirekt Förderung der Region, in der die Mitglieder leben? Muss die Förderung materieller Natur sein, oder funktioniert auch immaterielle Förderung? In solchen Spannungsfeldern bewegen sich heutzutage Genossenschaften, wie Arnulf Perkounigg, Vorsitzender des Internationalen Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum, in seinen Eröffnungsworten zur 19. IGA-Tagung erklärte.

    Viel Potential

    In kurzen, prägnanten Impulsreferaten wurden die Aspekte des genossenschaftlichen Förderauftrags näher beleuchtet. Nadja Fabrizio, wissenschaftliche Oberassistentin am Institut für Unternehmensrecht der Uni Luzern, bot zunächst einen Blick zurück in die Geschichte. Das Genossenschaftswesen sei aus der Not heraus geboren, erinnerte sie an die Anfänge. Es sei eine Reaktion auf den Hochkapitalismus, aber auch ein Gegenpol zum Sozialismus gewesen.

    Auch heute noch stecke in Genossenschaften jede Menge Potential: Sie seinen lokal verankert und damit nah am Kunden. Die unterschiedlichsten Interessen und Ansichten, die in Genossenschaften aufeinandertreffen, seien ein Garant für Innovationsfähigkeit. Zudem gehe es bei Genossenschaften um unmittelbare Wertschöpfung, um greifbare Produkte und Dienstleistungen sowie um finanzielle Nachhaltigkeit.

    Ihr Fazit: „Der genossenschaftliche Förderauftrag ist strategisch nutzbar - durch bewusste Abgrenzung von Kapitalgesellschaften, durch Förderung von Wachstum und langfristigem Unternehmenserfolg, durch Nachhaltigkeit und Stakeholder-Orientierung, wie sie von modernen Unternehmen erwartet werden. Genossenschaften können das glaubhaft umsetzen, sie müssen es nur gezielt kommunizieren.“

    Regionaler Erfolg

    Einen Einblick in die erfolgreiche regionale Praxis bot Josef Wielander, Direktor des Verbandes der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse. „Gerade jetzt erzielt der genossenschaftliche Förderauftrag Wertschöpfung“, bekräftigte er gleich eingangs. Sein Verband vertritt sieben Genossenschaften mit 1.730 Mitgliedsbetrieben. Die gesamte Wertschöpfungskette sei dabei genossenschaftlich organisiert - von der Produktion über die Lagerung bis zum Verkauf. 51 Prozent des Obstes werden ins Ausland exportiert.

    Wielander: „Für die Region ergibt unsere Aktivität einen enormen Mehrwert. Wir sind Markenbotschafter, was den Tourismus fördert. Durch unsere Bautätigkeit werden Industrie und Handwerk belebt. Es entstehen Kulturangebote und Arbeitsplätze. Das einst arme Tal hat so zum Mittelstand aufgeschlossen.“

    Gemeinsam stark und erfolgreich

    Wie man gemeinsam Ziele erreicht, die einer allein nicht schaffen kann, zeigte eindrucksvoll Franz Reischl, Geschäftsführer der Bäckergenossenschaft BÄKO. “Wir helfen unseren Mitgliedern - von der kleinen Bäckerei bis zum Großbetrieb - dabei, erfolgreich zu sein und die Zukunft zu sichern“, so Reischl. Die genossenschaftliche Rechtsform sei dabei ein einzigartiges Differenzierungsmerkmal. Anders als etwa ein klassischer Großhändler habe man einen Förderauftrag, der Verantwortung mit sich bringe. Er verwies auf die hohe Zufriedenheit der Kunden und Mitglieder, die in Umfragen bestätigt wurde.

    Ohne Fusionen zu einer starken Einheit wäre der große Erfolg aber nicht möglich gewesen, räumte er ein und verwies auf die hohe Eigenkapitalquote von 48 Prozent. Die BÄKO bietet heute ein breites Spektrum an Leistungen, das sogar Plakatdruckservice oder eine moderne Software-Lösung für Bäcker umfasst.

    Impulse für Banken

    Alois Zach, Geschäftsleiter der Raiffeisen-Regionalbank Mödling, berichtete über den Förderauftrag aus Bankensicht. Zufriedene Mitglieder seien nicht genug, man müsse sie auch begeistern. Er rief zu Mut und nachhaltigem Handeln auf. Vom „Förderauftrag 2.0“ sprach in diesem Zusammenhang Justus Reichl von der neu geschaffenen Stabstelle Genossenschaft im Österreichischen Raiffeisenverband.

    „Es genügt heute nicht mehr, eine Sitzbank im Wald zu finanzieren. Die Handlungsfelder sind ganz andere. Für die Mitglieder muss man ein verlässlicher, ehrlicher und greifbarer Partner sein. Bei den Mitarbeitern sollte man mit einem vorbildlichen Arbeitsumfeld punkten. Es geht zudem um den regionalen Lebenskreislauf - Nahversorgung, Infrastruktur und Wirtschafsstandort. Die Genossenschaft ist Zudem ein Experimentierort für Teilhabe und Demokratie“, führte er aus.

    Als Beispiele,. wie es gehen kann, nannte er Mitglieder-Apps fürs Smartphone, Angebote zur Internetversorgung von strukturschwachen Gebieten, Ethical Banking und auch Crowdfunding. Beim Marketing gelte es, auf Emotion zu setzen.

    Die richtige Sprache finden

    Um die richtige Kommunikation des Förderauftrags ging es auch in der abschließenden Publikumsdiskussion mit den Referenten unter der Leitung von Regina Wenninger, Bereichsleiterin Kommunikation im Genossenschaftsverband Bayern. Das Modell Genossenschaft sei für Banken eine Überlebensversicherung, meinte Reichl. „Wir brauchen aber eine neue Sprache, neue Bilder, um die Genossenschaft besser zu kommunizieren“, ergänzte BÄKO-Chef Reischl.

    Auf die Gefahr der Distanz zwischen Mitgliedern und insbesondere großen Genossenschaften wies Wielander hin. Eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Kommunikation könne da die Digitalisierung spielen, waren sich alle einig. Es gelte, die Mitgliedschaft auch digital erlebbar zu machen.

    Foto: Gerhard Berger