Volksbank NÖ Süd

Eine Regionalbank wird 150

  • Die Volksbank Niederösterreich Süd, eine Bank, deren Geschäftsmodell auf Selbsthilfe und Nachhaltigkeit aufbaut, feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde die bewegte Geschichte der Bank geschildert. Auch ein Buch ist erschienen.

    Neben den aktuellen Geschäftsleitern Martin Heilinger und Christian Kornfell waren auch die ehemaligen Vorstandsdirektoren Anton Pauschenwein, Leo Fenzl und Eduard Mangold ins historische Cafe Witetschka in Wiener Neustadt gekommen. Sie berichteten über die Geschichte der Bank, welche von ihnen maßgeblich mitgestaltet wurde. Heilinger führte durch die Pressekonferenz, nahm Bezug auf die Vergangenheit und gab Ausblicke in die Zukunft. Interessante Details aus der Historie luden zum Nachdenken und Schmunzeln ein.

    Kornfell stellte das Buch „Eine Bank und ihre Region“ vor, welches auf 88 Seiten die Historie dieser 150 Jahre mit Fotos, Unternehmergeschichten und interessanten Grußworten von Prominenten aufarbeitet und für Interessierte auf Anfrage in den Geschäftsstellen der Bank kostenlos erhältlich ist.

    „Freie und verantwortungsbewusst handelnde Menschen sind Träger unserer Prinzipien. Freiheit bedeutet für uns: Der Mensch setzt seine Kräfte nach freiem Ermessen für selbstgewählte Zwecke ein. Wir treten für Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung ein. In der Gemeinschaft agieren wir nach demokratischen Spielregeln. Die genossenschaftlichen Werte leben wir auch auf Verbundebene. Religion und Politik spielen für unser Handeln keine Rolle“, so die Volksbank Niederösterreich Süd.

    Die Schulze-Delitzsch-Ära

    Bei der Pressekonferenz erinnerte man sich an die Anfänge: Die Gründung der Volksbanken erfolgte aus der damals schwierigen Finanzlage heraus und aus der Notwendigkeit für Gewerbetreibende, ausreichend finanzielle Mittel aufstellen zu können. Aus der Krise entstanden die heutigen Genossenschaften nach dem System Schulze-Delitzsch.

    1859 wurde der traditionelle Zunftzwang aufgehoben. Damit war auf einen Schlag das Sozialsystem der Zünfte aufgehoben, der gewerbliche und handwerkliche Mittelstand wurde von einem Tag auf den anderen Unternehmer. Der Wettbewerb erforderte Investitionen, die notwendigen Mittel wurden zunächst von Privatpersonen, Händlern, Gastwirten oder Geldverleihern zu horrenden Konditionen zur Verfügung gestellt.

    Die Lösung waren Vorschuss- und Kreditvereine. Der 1808 in Preußen geborene Jurist und Politiker Hermann Schulze-Delitzsch sah die damaligen Probleme der Handwerker und kam zu dem Schluss, dass ihre Situation nur dadurch zu verbessern sei, wenn es ihnen ermöglicht würde, durch genossenschaftliche Zusammenschlüsse zu der sich rasch entwickelnden Industrie aufzuschließen.

    Die Geburtsstunde der Volksbank

    In Wiener Neustadt wurde 1853 zunächst die Sparkasse gegründet. Auf Grund ihrer damals sehr eng gefassten Satzung konnte sie jedoch nicht die Bedürfnisse der aufstrebenden Gewerbetreibenden erfüllen. Daher erfolgte 1865 durch Bürgermeister Johann Kindler die Gründung des Wiener Neustädter Vorschussvereins, einer Genossenschaft mit Sitz in der Kesslergasse 15. 1877 wurde dann der Credit- und Sparverein Gutenstein gegründet. 1912 erfolgte die Gründung der Volksbank Neunkirchen und 1920 jene der Volksbank Pernitz.

    Durch den Ausbau der Infrastruktur, den höheren Wohlstand und die Verbreitung des Pkws als alltägliches Fortbewegungsmittel sowie die Konzentration von Unternehmen in Ballungsgebieten wurde es später notwendig, Regionen zu überdenken und mittels Zusammenschlüssen auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen.

    1986 entstand im Piestingtal ein gemeinsames Institut, und bereits ein Jahr später erfolgte der Zusammenschluss von Wiener Neustadt und Neunkirchen zur Volksbank Niederösterreich Süd. Im Jahr 2006 vereinigte man schließlich das Einzugsgebiet der beiden Bezirke durch Fusion mit der Volksbank Piestingtal und setzte damit den Grundstein für die heutige Stärke der Regionalbank.

    Nachhaltigkeit schon seit 150 Jahren

    „Durch die genossenschaftliche Unternehmensform, den in der Satzung festgelegten Förderauftrag und die Nutzung von Ressourcen aus der Region ist das Geschäftsmodell der Bank in sämtlichen Facetten seit jeher auf Nachhaltigkeit ausgerichtet“, so das Institut.

    Vor drei Jahren nahm sich die Bank des Themas Nachhaltigkeit gezielt an, etablierte als erste Regionalbank Österreichs ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement. Neben Maßnahmen im Bereich Ökologie und Ökonomie werden aktuell Schritte im sozialen Umfeld gesetzt. Mit der Initiative „Tut gut“ arbeitet das Institut gemeinsam mit dem Land Niederösterreich an der Stärkung der physischen und psychischen Gesundheit der eigenen Mitarbeiter. Die Produktpalette der „Wert-Sparbücher“ und „Wert-Kredite“ sowie der nachhaltigen Investments ist bereits gut etabliert und ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Bank.

    2017 beginnt ein neues Kapitel

    Im Zuge der Neustrukturierung des Volksbanken-Verbundes wird die Volksbank Niederösterreich Süd 2017 Teil der Volksbank Wien. „Durch diesen einmaligen Weg in der Geschichte können die Vorteile der regionalen Genossenschaftsbanken mit den Vorteilen von großen Aktienbanken kombiniert werden“, ist man überzeugt.

    Foto: Tortenanschnitt mit fünf Vorständen, v. l. n. r.: Christian Kornfell (seit 2015), Martin Heilinger (seit 2006), Anton Pauschenwein (2004-2015), Eduard Mangold (1984-2006), Leo Fenzl (2006-2014)