"Mr. Volksbank"

Gerald Fleischmann im "cooperativ"-Interview

  • Er soll eine neue Ära bei den Volksbanken einläuten: Seit 1. Juni ist DI Gerald Fleischmann Vorstandsvorsitzender der Volksbank Wien-Baden. Als solcher steht er auch dem neu aufgestellten Verbund mit acht Regionalbanken vor. Wer ist der Mann an der Spitze der Volksbank wirklich, und was hat er vor? Für "cooperativ" stand er Rede und Antwort.

    Fleischmann, 46, war zuletzt Generaldirektor der Salzburger Sparkasse. Er wurde in Graz geboren, hat dort Technische Mathematik studiert. In Salzburg war der dreifache Familienvater nur als Pendler, seine Familie lebte schon vor seiner neuen Aufgabe in der Nähe von Wien.

    Auf Fleischmann wartet eine wahre Herkules-Aufgabe: Er soll die Neuorganisation des Volksbanken-Sektors bewerkstelligen – aus über 40 Instituten werden acht -, die Volksbank Wien-Baden zum zentralen Dienstleister für den Verbund machen, gleichzeitig aber maximale Freiheit für die Regionalbanken bewahren. Bis Herbst soll auch die neue Strategie für den Sektor ausgearbeitet sein.

    cooperativ: Sie sind jetzt seit 1. Juni in Amt und Würden. Haben Sie sich schon eingelebt in Ihrem neuen Büro in der Schottengasse? Und wie lief der Umzug von Salzburg nach Wien?

    Gerald Fleischmann: Das war im Grunde ganz leicht. Ich war in den letzten 18 Monaten nur als Wochenpendler in Salzburg, meine Familie lebt in der Hinterbrühl. Insofern ist der berufliche Umzug nach Wien eine Heimkehr.

    Die Erwartungen an Sie sind enorm. Sie sollen als "Mister Volksbank" das Institut neu organisieren, ausrichten und in die Zukunft führen. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

    Ich denke, man muss gelassen an die Situation herangehen und eine klare, strukturierte Vorgangsweise wählen. Sich stressen zu lassen, bringt in dieser Situation nichts. Gemeinsam mit meinen Kollegen Wolfgang Schauer und Josef Preissl funktioniert das sehr gut. Wir sind ein gutes Team und wollen den Volksbanken-Verbund nun auf neue Beine stellen.

    Der Verbund befindet sich mitten im Umbruch. Bei vielen Mitarbeitern ist die Verunsicherung groß. Wie können Sie ihnen Mut machen?

    Von den Mitarbeitern hängt der Erfolg ab. Wenn alle Mitarbeiter der Volksbanken mit demselben Optimismus und derselben Begeisterung wie ich diesen Aufschwung mitgestalten, dann haben wir Erfolg. Wir haben viel Potential. Nach gelungener Abspaltung der ÖVAG können wir nun gemeinsam positiv in die Zukunft blicken.

    Derzeit arbeiten Sie ja an einer neuen Strategie. Können Sie uns in groben Zügen schon sagen, wie die aussehen wird?

    Die Chancen, in der Volksbank Wien-Baden und im ganzen Verbund der Volksbanken etwas zu bewegen, sind riesig. Die Volksbanken haben eine fundierte Basis durch enge Kundenbindung und hohe Kundenzufriedenheit. Die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise haben die ÖVAG direkt und damit indirekt auch die Volksbanken belastet. Mit der eingeleiteten umfassenden Strukturreform ist die Basis dafür geschaffen, mit acht soliden regionalen Volksbanken die Kunden langfristig gut zu betreuen und zu begleiten. Diesen Aufschwung mitgestalten zu können, begeistert mich. Die Details werden in den nächsten Wochen ausgearbeitet.

    Was ist Ihre persönliche Zielsetzung? Wann können Sie sagen, Ihr erstes Jahr an der Volksbank-Spitze war ein gutes?

    Da zitiere ich gerne Peter Drucker, den berühmten Managementexperten: "Der Zweck eines Unternehmens ist es, Kunden zu schaffen." Die gesamte Organisation richtet sich an zufriedenen Kunden aus. Wenn uns das gelingt, ist das der größte Erfolg. Und alle anderen Erfolgsziele wie Wachstum, Ertrag, Image, Mitarbeiterzufriedenheit ergeben sich dann viel leichter.

    Sie haben angekündigt, weiterhin auf Regionalität zu setzen. Gleichzeitig verlagert sich das Bankgeschäft in Riesenschritten Richtung Internet. Besteht da nicht ein Widerspruch?

    Keineswegs. Klar, dass man seine täglichen Transaktionen anonym, elektronisch, rund um die Uhr abwickeln kann. Das bieten alle Banken und vermehrt auch andere Unternehmen an. Wenn es aber um wichtige private oder unternehmerische Entscheidungen geht, etwa die Finanzierung des Unternehmenswachstums, des privaten Hauses, die strategische Aufteilung der Geldanlage, die Vorsorge, die finanzielle Absicherung, dann braucht man einen individuellen, kompetenten Ansprechpartner, dem man vertraut. Vertrauen ist ganz wichtig. Vertrauen kann ich immer nur einem Menschen, nicht einer Maschine oder einem Callcenter. Glauben Sie mir, die Zeit und die Energie, die wir und unsere Mitarbeiter in den Aufbau dieser Vertrauensbasis investieren, sind ein gutes Investment.

    Bei Ihrer Vorstellung als Generaldirektor der Salzburger Sparkasse 2014 haben Sie auf der Bühne mit dunkler Sonnenbrille den "Gangnam Style" getanzt und "Let's rock" gerufen. Würden Sie das in der Volksbank wieder tun?

    Definitiv. Ich bin gerne nahe bei den Mitarbeitern, der Kontakt und der Dialog sind mir sehr wichtig. Etwas Spaß darf dabei nicht fehlen.

    Kurz gefragt: Gerald Fleischmann privat

    • Nach Feierabend entspanne ich mit: Laufen, Lesen, Kochen
    • Derzeit lese ich: "Montecristo" von Martin Suter
    • Mein privates Handy ist ein: iPhone
    • Privat fahre ich einen: Audi
    • In den Urlaub geht’s heuer nach: Das entscheide ich spontan.