Genossenschaften - Vision 2020

  • Einführung

    • Der Beginn

      Die Vereinten Nationen (UN) haben 2012 zum „Internationalen Jahr der Genossenschaften“ erklärt. Die UNO wollte damit die weltweite Bedeutung von Genossenschaften betonen und auf deren wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Relevanz hinweisen. Genossenschaften stabilisieren regionale Wirtschaftskreisläufe und sorgen für lokale Beschäftigung. Auch in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit leisten Genossenschaften einen wichtigen Beitrag.

      In Österreich bestehen an die 2.000 Genossenschaften, nahezu jeder zweite Österreicher ist Mitglied einer Genossenschaft. Mit deutlich über 100 Millionen Mitgliedern haben Genossenschaften auch einen maßgeblichen Anteil am Sozialprodukt der Europäischen Union. Weltweit sind über 800 Millionen Menschen Mitglieder in Genossenschaften.

      Die UNO bezweckte mit dem „Internationalen Jahr der Genossenschaften“ die Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung der genossenschaftlichen Rechtsform, die Förderung der Gründung von Genossenschaften und die Sensibilisierung der Regierungen für eine genossenschaftsförderliche Gesetzgebung.

      Nach Jahr der Genossenschaften eine Dekade der Genossenschaften

      Auch nach dem „Internationalen Jahr der Genossenschaften“ geht weltweite Engagement für diese Organisationsform weiter. In der offiziellen Abschlusszeremonie bei den Vereinten Nationen wurde unter dem Motto „Förderung von Genossenschaften über 2012 hinaus“ vor allem darauf fokussiert, wie in der Folge eine „Dekade der Genossenschaften“ eingeläutet werden kann und wie junge Menschen bestmöglich in Genossenschaften einzubinden sind. In seinem Grußwort betonte UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon die Fähigkeit von Genossenschaften, ganze Gesellschaften zu stärken, indem sie Arbeitsplätze schaffen und Einkommen generieren. Er lobte die Beiträge von Genossenschaften für nachhaltige Lebensräume und soziale Absicherung, insbesondere in den Entwicklungsländern. Sein Schlussresümee: „Durch die Betonung zentraler Werte helfen Genossenschaften, eine Vision voranzubringen, die soziale Grundsätze in das Geschäftsleben integriert.“

      Um die Aufmerksamkeit für das Thema Genossenschaften weiter zu steigern, wurde noch in New York ein Jahrzehnt der Genossenschaften vom weltweiten Genossenschaftsbund ICA ausgerufen. ICA-Generaldirektor Charles Gould meinte hierzu, Ziel sei es, die Basis des „Internationalen Jahres“, die aufgezeigten Grenzen anderer Geschäftsmodelle und das weltweite Bedürfnis nach Nachhaltigkeit zu nutzen, um die Bekanntheit von Genossenschaften und deren Bedeutung zu erhöhen, damit diese ihren rechtmäßigen Platz in der weltweiten Wirtschaft einnehmen können.

  • Zitate

    • Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin: „Genossenschaften sind Vorbilder, wie man ökonomische, soziale und ökologische Ziele verbindet.“

      Ban Ki-Moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen: „Genossenschaften sind eine Erinnerung an die internationalen Gemeinschaften, dass es möglich ist, Wirtschaftlichkeit mit sozialer Verantwortung zu vereinbaren.“

      Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar für Landwirtschaft: „Genossenschaften bieten ein stabiles Gleichgewicht zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung auf demokratischer Basis.“

      Volker Beuthien, Professor am Institut für Genossenschaftswesen an der Philips-Universität Marburg: „Je eigenverantwortlicher der Vorstand die Fördergeschäftspolitik bestimmt, desto eher sollten sich die Mitglieder selbst Vorstandsmitglieder ihres Vertrauens aussuchen dürfen.“

      Nouriel Roubini, Professor für Wirtschaft an der Stern School of Business, Universität New York: „Wir leben in einer interdependenten Welt, in der es immer wichtiger wird zu kooperieren.“

      Rosabeth Moss Kanter, Harvard Businees School: „Es motiviert Menschen, wenn sie eine Stimme bekommen, wenn sie Veränderung mittragen können. (…) Menschen wollen Werte und Mitbestimmung. (…) Wir brauchen Genossenschaften als alternatives Wirtschaftsmodell.“

  • Beispiele

    • Jänner 2012 - IGORA oder über 20 Jahre Umweltbewusstsein

      Die Schweizer Genossenschaft IGORA engagiert sich seit über 20 Jahren für sammeln und recyceln von leeren Aluverpackungen. Zusammen mit der Getränke- und Aluminiumindustrie erarbeitete die Genossenschaft ein durchdachtes, privatwirtschaftliches Sammel- und Recyclingkonzept. Es basiert nicht auf Zwang, sondern auf Freiwilligkeit. Die schlagkräftige Organisation, stellt Recycling ins Rampenlicht und erzeugt Umweltbewusstsein in den Medien, bei öffentlichen Veranstaltungen, in Gemeinden und Städten.

      Die Mitglieder sind Unternehmen der Getränke- und Aluminiumindustrie aber auch der Handel. Alle werben gemeinsam für eine sinnvolle Wiederverwendung von Aluminium. Der Alltag spielt sich zwischen Getränkedosen, Tiernahrungsschalen und Lebensmitteltuben ab. Der Erfolg lässt sich leicht an den Zahlen ableiten, wurden 1989 nur 31 Prozent der gebrauchten Aludosen zur Wiederverwertung gesammelt, waren es 10 Jahre später bereits 90 Prozent. Bei den Tierfutterschalen werden 80 Prozent recycelt, bei Tuben 60 Prozent.

      Fazit, wirtschaftlicher Erfolg, verantwortungsvoller Umgang mit kostbaren Rohstoffen und Schutz der Umwelt sind kein Widerspruch.

      Sie wollen mehr wissen? www.igora.ch

      Februar 2012 - The Seed eG - Arbeitsteilung im Netz

      2006 wurde die - wie sie sich selbst bezeichnet - weltweit erste Kreativgenossenschaft aus der Taufe gehoben. Mit Sitz in Deutschland ist sie ein neuartiges Netzwerk selbständiger Kreativer. Im Grunde genommen eine moderne Form der Produktivgenossenschaft im Internetzeitalter.

      Grafikdesigner, Multimediaspezialisten und Marketingexperten schufen sich eine gemeinsame Infrastruktur in einem Kulturzentrum. Von dort wurde das Netzwerk über Europa gespannt und mit der Zeit über den Globus ausgebreitet.

      300 freiberuflich Kreative sind über das Internet miteinander verbunden und Zulieferer für die Genossenschaft. Für einige Bereiche - wie beispielsweise den Flash-Bereich, die Programmierung von Computerspielen - hat sich die Genossenschaft ein Entwicklungsteam in China aufgebaut. Eine der Kernprinzipien, große Aufträge werden zerlegt und auf verschiedene Kreative, die auf den spezifischen Bereich spezialisiert sind, aufgeteilt. Die Kreativen greifen auf ihre eigenen Netzwerke zurück und ermöglichen so ein nahezu unbegrenztes Angebot. Durch die bereichsübergreifende Zusammenarbeit werden die Grenzen der Machbarkeit und eingefahrene Strukturen überwunden und Tore zu neuartigen Lösungsansätzen geöffnet, so die Mission der Gruppe.

      Eine Mission, die zu wirtschaftlichem Erfolg führt, liest sich die Kundenliste der Genossenschaft wie das who is who, gleichzeitig aber auch den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Vision der Gruppe, eine neue Unternehmensform, die indiviuduelle Lebensziele zu einem gemeinsamen Unternehmen organisiert.

      März 2012 - MONDRAGON - eine genossenschaftliche Unternehmensgruppe sorgt für ein kleines Wirtschaftswunder

      In Spanien, einem Land, das krisengeschüttelt ist und dessen Arbeitslosenrate speziell bei jungen Menschen traurige Höchststände erreicht, ist es eine genossenschaftliche Unternehmensgruppe, die für Stabilität steht. Der Unternehmensverbund MONDRAGON, der in vier Bereichen (Finanz, Industrie, Einzelhandel und Bildungswesen) tätig ist, beschäftigt in 256 Firmen 85.000 Arbeitnehmer, 85 Prozent davon sind Mitglieder. Der Jahresumsatz der Gruppe, die 1956 gegründet wurde, lag zuletzt bei rund 14 Milliarden Euro.

      Hoch wird die Qualitätslatte gelegt, so gewannen die Hightech Rennräder von MONDRAGON bei den Olympischen Spielen in China Gold.

      Innovation ist in der Gruppe angesagt, jüngstes Hightech-Produkt ist ein City-Car, ein Elektroauto in Smartgröße, das ab 2015 in den Handel kommen soll. Entwickelt wurde es u.a. von den Studenten der zur Unternehmensgruppe gehörenden Universität.

      Weitere Pläne für die Zukunft bei MONDRAGON beziehen sich auf den Bereich Wärmedämmung, Trinkwasseraufbereitung aber auch Teile für die Raumfahrtindustrie.

      Bei allem wirtschaftlichen Erfolg - so werden 60 Prozent der Produkte von MONDRAGON dem Export zugeführt - kommen Nachhaltigkeit und soziales Denken nicht zu kurz.

      Diese Mission umfasst neben den wesentlichen Zielen eines „normalen“ Unternehmens auch humane und professionelle Förderung der Beschäftigten und die Verpflichtung zur sozialen Entwicklung des Umfelds. So werden Dividenden der Mitarbeiter in Rentenkonten eingezahlt, der Betrag der für 2010 für soziale Aktivitäten aufgewendet wurde, betrug rund 17 Millionen Euro.

      Wenn Sie mehr über die siebentgrößte Unternehmensgruppe in Spanien und die Größte des Baskenlandes lesen wollen: www.mondragon-corporation.com

      April 2012 - Cooperative de Couture de Kicukiro

      Das Jahr 2007 bedeutete einen Wendepunkt im Leben von Emelienne Nyiramana aus Kigali, Ruanda. In diesem Jahr entschloss sie sich, gemeinsam mit einigen anderen eine Genossenschaft zu gründen. Sie, Emelienne, die bislang täglich 17 Kilometer zu Fuß zurückgelegt hatte, um Wasser zu transportieren, wofür sie 25 Cent erhielt, immer in der Unsicherheit lebend, ob dies genug sei, die Familie zu ernähren und das Schulgeld ihrer Kinder aufzubringen.

      Beim Aufbau unterstützte eine Hilfsorganisation die entschlossenen Frauen.

      Heute, fünf Jahre später, arbeiten in einer einfachen Werkstätte an fußgetriebenen Nähmaschinen und kohlegeheizten Bügeleisen 40 Frauen. Hergestellt werden Taschen, Armbänder und Wrap-Röcke. Auftraggeber der Frauen sind bekannte fashion brands in den USA.

      Emelienne und den anderen ermöglicht ein Tagelohn von 5 Dollar nunmehr ein angstfreies Leben und am Ende des Monats kann ein kleiner Notgroschen auf ein Sparkonto eingezahlt werden. Die Gewinne werden in Ausbildung investiert.

      Mai 2012 - Marine-Golf-Club Sylt eG - genossenschaftlich Golfen

      Angelegt von der Royal Air Force während der Besatzungszeit und später von einem Verein übernommen, wird seit Beginn der Saison 2003 auf der Nordseeinsel auf einer 18-Loch-Anlage genossenschaftlich Golf gespielt. Durch die Umwandlung in eine Genossenschaft wurde die Finanzierung des Ausbaus der Anlage möglich gemacht und damit der Grundstein für Expansion in gesellschaftlicher und sportlicher Hinsicht gelegt. Von den 562 Mitgliedern sind ein Drittel Inselliebhaber, die ihren Zweitwohnsitz auf Sylt haben. Dem Gast werden „Ferienpakete“ und zahlreiche offene Turniere geboten, ein weiterer Punkt, der die Insel für den Urlauber attraktiv macht. Wesentlich ist aber, dass das Ziel, Sylter Bürgern mit durchschnittlichem Einkommen das Betreiben dieses Sports auf der Insel zu ermöglichen, erreicht wurde. Eine Idee, die zur Nachahmung geeignet ist.

      Wenn Sie mehr darüber lesen wollen: www.golf-sylt.de

      Juni 2012 - Meisterland Schönbuch eG - Meisterliches aus einer Hand

      Handwerkliche Kompetenz und Top-Dienstleistungen sind das Markenzeichen der Genossenschaft aus dem Kreis Böblingen, die im Jahr 2003 mit sieben Firmen gestartet wurde und mittlerweile 40 Mitglieder zählt. Handwerksbetriebe wie Maler, Schlosser, Maurer und Fensterbauer aber auch Dienstleister für Telefonanlagen, Computer und Gastronomie sind in der Gruppe vereint. Überschneidungen und Konkurrenzsituationen innerhalb des Verbunds werden vermieden. Es muss das unternehmerische Profil eines Bewerbers in die bestehende Dienstleistungspalette passen.

      Für die Mitglieder bringt das Projekt erhebliche Synergieeffekte, die nicht nur in der gegenseitigen Weiterempfehlung gipfeln, sondern auch Kosteneinsparung - insbesondere beim Einkauf von Waren und Dienstleistungen - sowie beim Versicherungsabschluss bieten.

      Die Vorteile für den Konsumenten sind klar ersichtlich. Keine zeitraubende Abstimmung mit unterschiedlichen Gewerken - die Firmen sind optimal aufeinander abgestimmt - erfahrene Ansprechpartner für Projekte stehen zur Verfügung, sprich ein Anbot für alle Leistungen. Da ausschließlich Meister- und Fachbetriebe Mitglied sein können, ist hohe Qualität gewährleistet, dem Kunden steht darüber hinaus ein Meisterland-Notfallservice zur Verfügung.

      Manch einer, der sich nicht so eine Genossenschaft auch in Österreich wünschen würde.

      Wenn Sie mehr darüber lesen wollen: www.meisterland.de

      Juli 2012 - CORSI - società cooperativa per la radiotelevisione svizzera di lingua italiana - Rundfunk für Minderheiten

      Vor über 70 Jahren begann ein Schweizer Fernseh- und Radiosender, die italienisch-sprachige Minderheit im Tessin mit Informationen zu versorgen. Im Laufe der Zeit wurde das Anbot erweitert. Derzeit sind drei Radiostationen und zwei Fernsehsender im Einsatz, die die wesentlichsten Informationsquellen für die Bevölkerung (rund 320.000) darstellen. Seit 2009 ist CORSI die Aufsichtsbehörde für das italienisch-sprachige öffentliche Radio und Fernsehen in der Schweiz mit dem Ziel, die Verbindung zur lokalen Community zu stärken und gleichzeitig Garant für gute Programmqualität zu sein.

      Der Genossenschaft gehören 2.500 Mitglieder aus allen Schichten der Bevölkerung aber auch aus Organisationen wie Konsumentenvereinigungen, Universitäten oder Wirtschaftskammern an. Durch die unterschiedlichen Mitgliederschichten ist das demokratische Prinzip gewährleistet.

      Zu guter Letzt wird von der Genossenschaft ein Newsletter mit einer Auflage von 100.000 Stück herausgegeben.

      Wenn Sie mehr darüber lesen wollen: www.corsi-rsi.ch

      August 2012 - digiCULT - oder wie man digitale Bestandserfassung von Kulturschätzen voranbringt

      Am 18.1.2010 wurde in Kiel von 42 Museen und Kultureinrichtungen eine Genossenschaft mit dem Ziel gegründet, die digitale Dokumentation und langfristige Sicherung des Kulturerbes mittels neuer Technologien sowie die zentrale Zugänglichmachung des Kulturgutes für Bildung, Wissenschaft und Tourismus im Sinne der von der EU geforderten Demokratisierung der Wissensressourcen zu ermöglichen.

      Mittlerweile ist die Genossenschaft als viel beachteter Dienstleister etabliert. Im Bestand sind rd. 300.000 Sammlungsobjekte von etwa 70 Museen und Sammlungen. Vergangen sind die Zeiten althergebrachter, analoger Karteikarten. Die einheitliche Nutzung digitaler Werkzeuge, Standards und Vokabulare fördert Vernetzung und Austausch. Die Erschließung des eigenen Bestands, in verstreuten Magazinen oft nur schwer zugänglich, rückt wieder in den Blickpunkt. Die Digitalisierung und der jederzeitige, elektronische Zugriff steigern die Arbeitseffizienz und ermöglichen neue Fragestellungen an die Objekte.

      Von den vernetzten Datenbanken profitieren die Mitglieder auch insofern, als die erfassten Daten und Bilder zentralen Kultur- und Wissenschaftsportalen zugänglich gemacht werden können und nunmehr die Museen in angemessener Form in den Focus von Öffentlichkeit und Wissenschaft rücken. So sind 50.000 Sammlungsobjekte für öffentliche Recherche über Portale zugänglich. Nur als Beispiel: das mehrsprachige Museumsportal Nord verzeichnet rd. 40 Millionen Zugriffe pro Jahr.

      Entstanden ist die Genossenschaft - nach zehnjähriger Vorbereitungsarbeit - aus dem digiCULT Projekt der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, ein Projekt, das durch EU-Mittel und Eigenmittel des Landes Schleswig-Holstein maßgeblich gefördert wurde.

      Heute erfolgt die Finanzierung im Wesentlichen über Mitgliedsbeiträge, Länderbeiträge und Einnahmen aus Auftragsabwicklungen und Dienstleistungen.

      Hauptzweck der Genossenschaft ist die kulturelle und wissenschaftliche Förderung der Mitglieder. Ganz konkret geht es um die praktische Anwendung des im Projekt entwickelten Wissensmanagements, die Weiterentwicklung und Nutzung von Standards, den Betrieb der Daten- und Serverinfrastruktur, die Beratung und Fortbildung der Mitglieder beim Einsatz der Werkzeuge und Vokabulare, die Unterstützung bei der digitalen Fotografie, die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Fachgruppen, Verbänden und Digitalisierungsprojekten.

      Die Genossenschaft beteiligt sich an Forschungs- und Entwicklungsprojekten im Dokumentationsbereich.

      Wenn Sie mehr darüber lesen wollen: www.digicult-verbund.de

      September 2012 - Euro Coop Express - oder die Geschichte, wie Arbeitsplätze gerettet werden konnten

      Als 2003 die Schließung eines Franchise-Unternehmens drohte, konnte durch einen Schulterschluss aller Beteiligten der Untergang abgewehrt und Arbeitsplätze erhalten werden. Heute beschäftigt die Genossenschaft, deren Sitz in der Nähe von Avignon (Frankreich) ist, 40 Mitarbeiter, 30 Mitglieder gehören ihr an. Diese bringen nicht nur Know-how und den Fuhrpark, sondern vor allem auch Dienstbereitschaft und Flexibilität ein.

      Die Palette für den Kunden reicht von regionalen Botendiensten über Expresszustellungen bis zu europaweiten Frachttransporten. Gefahrengutlieferungen werden ebenso übernommen wie Kühltransporte. Auf Wunsch stehen den Kunden Lagerhallen zur Verfügung.

      Wenn Sie mehr darüber lesen wollen: www.eurocoopexpress.com

      Oktober 2012 - Stadtmarketing Seesen eG oder eine Stadt zeigt, was sie kann

      Am 27.6.2007 war es in der rund 20.000 Einwohner zählenden, am nordwestlichen Harzrand zwischen Göttingen und Hannover im Südosten von Niedersachsen liegenden Stadt soweit. 93 Institutionen und Privatpersonen haben im Saal des Bürgermeisterhauses die Genossenschaft aus der Taufe gehoben. Motto war und ist: Kräfte bündeln und zeigen, was Seesen alles zu bieten hat und zu leisten imstande ist, mit dem Ziel, die Lebensqualität und die Attraktivität der Stadt zu erhöhen und dazu beizutragen, dass in Seesen - entgegen dem Trend - Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft stabil bleiben. Getragen wird die Initiative von der Wirtschaft und den Bürgern in enger Kooperation mit der Stadt.

      Zu den inzwischen 131 Mitgliedern zählt das Eiscafé ebenso wie der Elektrohändler, der Optiker oder die Sparkasse, die Gemeinschaftspraxis und der Apotheker. Kaum eine Branche oder eine Berufsgruppe bzw. ein Verein, der nicht vertreten ist.

      Und so sieht die Praxis aus: In vielen Gesprächen und Arbeitsgruppen werden Projekte, Anregungen und Ideen zusammengetragen und entwickelt, aufgeteilt in vier Segmente: City-Marketing, Tourismusmarketing, Standortmarketing und Stadtmarketing.

      Neugierig geworden? Lesen Sie mehr darüber: www.stadtmarketing-seesen.de

      November 2012 - Renmark Hotel - genossenschaftliches Wohnen

      Gegründet 1897, ist das am Murray River im größten Weinbaugebiet im südlichen Australien gelegene Haus das älteste, genossenschaftlich organisierte Hotel im britischen Commonwealth. Private Betreiber waren von Anbeginn nicht erwünscht. Eigentümer sind die Bürger der Stadt Renmark. Unter diesem Aspekt ist auch die Verbundenheit zur Stadt zu sehen, die u.a. dazu führte, dass Land aufgekauft und der Stadt für öffentliche Parkanlagen zur Verfügung gestellt wurde.

      Sponsorship ist auch heute noch angesagt. 1969 eröffnete ein tourist-office seine Pforte im Viersternehotel, das in traditionellen „Gemäuern“ höchsten Standard in 67 Zimmern und Suiten bietet. Immer im Bemühen, Außergewöhnliches zu bieten, wurde u.a. im Jahr 1957 die längste Bar der südlichen Hemisphäre eröffnet. Seit 1996 gehört das Renmark zu den Heritage Hotels. Bekannte Gäste konnte das Hotel begrüßen, so etwa den Prinz und die Prinzessin von Wales.

      Insgesamt beschäftigt das Renmark 100 Mitarbeiter. 10.000 Bürger der Stadt sind Mitglieder, viele von ihnen auch Lieferanten. Nachhaltigkeit, lokale Wertschöpfung und auf den Gast bezogen, lokale Produkte werden großgeschrieben.

      Wenn Sie mehr wissen möchten, lesen Sie www.renmarkhotel.com.au.

      PS: Wussten Sie, dass es auch in Wien ein genossenschaftlich geführtes Hotel gibt? Vor über 100 Jahren erbaut, beherbergte das Hotel Post klingende Namen wie Wolfgang Amadeus Mozart, Josef Haydn oder Friedrich Nietzsche. www.hotel-post-wien.at

      Dezember 2012 - Testklang eG oder wie man in Zukunft noch Kultur machen kann

      Es war einmal ... an einem Tag im Jahr 2011. In ihrer Wohnung in Brooklyn / New York traf die Komponistin Bunita Marcus den deutschen Pianisten Marc Tritschler. Was als spannende Begegnung, als Gedankenaustausch begann, endete ein Jahr später in der Gründung des Musiklabels Testklang, eines Labels für klassische, aber auch zeitgenössische Musik. Der Mitgliederkreis umfasst neben Musikern, Filmemachern, Tonmeistern, Philosophen, Designern auch Unternehmensberater, Webdesigner und Wirtschaftsfachleute.

      Zwei Vorteile waren bald sichtbar: es konnte durch die transparente und demokratische Grundstruktur das Vertrauen der Künstler gewonnen werden, davon zeugt auch das positive, weltweite Feedback. Die Besonderheit liegt aber auch in der Verbindung und gegenseitigen Befruchtung von verschiedenen Perspektiven. Ausgewählte Musikstücke sind nicht alleine über Tonaufnahmen zugänglich, sondern auch durch die Medien Film, Text und Design. So ist es nicht verwunderlich, dass die erste Veröffentlichung von Testklang noch im internationalen Jahr der Genossenschaften erfolgte. Die Welturaufnahmen von Bunita Marcus unter dem Titel „Sugar Cubes“ wurden 2012 in Berlin, Stockholm und New York der Öffentlichkeit vorgestellt.

      Wollen Sie noch mehr wissen? www.testklang.net

  • IGT 2012 in Wien

    • An die 300 Genossenschaftsforscher und Praktiker aus aller Welt waren vom 18. bis 20. September 20112 zu Gast in Wien. Im Internationalen Jahr der Genossenschaften haben die Forschungsinstitute der Universität Wien und der Wirtschaftsuniversität im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Genossenschaftswissenschaftlicher Institute ihre Tagung zum Thema „Genossenschaften im Focus einer neuen Wirtschaftspolitik“ in der Donaumetropole organisiert.

      In seinem Festvortrag bei der Eröffnung der Tagung im Großen Festsaal der Universität Wien sagte Franz Fischler: „Genossenschaften haben immer dann Hochsaison, wenn Krisen auftauchen“. Der ehemalige EU-Kommissar ist überzeugt, dass Genossenschaften eine zentrale Rolle in einer postkapitalistischen Gesellschaft spielen könnten. Als besonderes Unternehmensmodell wären sie auf Basis sozialer Verantwortung und demokratischer Entscheidung in der Lage, ein stabiles Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie herzustellen und nahhaltiges Wirtschaften zu gewährleisten. „Die Welt braucht mehr Genossenschaften“, war die Botschaft seiner Rede.

      Für UNO-Botschafter Thomas Stelzer sind Genossenschaften eine Möglichkeit, wie vor allem auch junge Menschen ihre Zukunft organisieren können. Vor dem Hintergrund der großen Jugendarbeitslosigkeit in den Ländern Südeuropas, vor allem in Spanien, trage Solidarität dazu bei, eine bessere Welt zu formen, wie es auch das Motto im Internationalen Jahr der Genossenschaften transportierte, das die UNO 2012 ausrief.

      Der Frage warum sich Menschen auf der einen Seite egoistisch verhalten und sie auf der anderen Seite kooperieren, ist Ernst Fehr in seinem Festvortrag nachgegangen. Der namhafte Professor am Department of Economics, Laboratory for Social and Neural Systems Research der Universität Zürich hat in seinen empirischen Studien an Menschen im Laborexperiment nachweisen können, dass das „nutzenmaximierende Individuum“, wie es zahlreiche Ökonomen in ihren Modellanalysen unterstellen, unter bestimmten Voraussetzungen bereit ist, mit anderen zusammenzuarbeiten. Allgemein akzeptierte Regeln und Sanktionsmöglichkeiten für Trittbrettfahrer würden Kooperationen stabilisieren. Sein Resümee: „Wir sollten eine positivere Sichtweise vom Menschen entwickeln.“

      In der anschließenden Podiumsdiskussion gab ÖGV-Verbandsanwalt Hans Hofinger gemeinsam mit Vertretern aus der genossenschaftlichen Forschung und Praxis Antworten auf die Krise.

      Für Theresia Theurl, Professorin am Institut für Genossenschaftswesen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, haben Genossenschaften ein „ordnungspolitisches Profil“. Als einzelwirtschaftliches Fundament würden sie den gesamtwirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Werte fördern. Als eines der wichtigsten Merkmale von Genossenschaften identifizierte sie den Schutz vor feindlicher Übernahme.

      Vor einer Verwässerung der Genossenschaftsidee warnte Professor Volker Beuthien von der Universität Marburg. Für die Zukunft der Genossenschaft unerlässlich sei die „Förderakzeptanz der Mitglieder“. Der in der Satzung als Unternehmenszweck formulierte Förderauftrag und die Identität von Kunden und Eigentümern würden die unverwechselbare Eigenart und den Sinn der Genossenschaft ausmachen. Mitgliedschaft dürfe nicht zu einem „Goodie“ verkommen, das zum Beispiel der Bankkunde als „Sahnehäubchen“ zum Kredit dazu bekommt.

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